
Diese Woche war der Novizenmeister von Pinerolo, Don Carlo Maria Zanotti SDB, bei uns zu Gast in Benediktbeuern. Es waren drei sehr bereichernde Tage der Begegnung für mich, auch weil ich wieder die italienische Sprache hören und sie ein wenig üben durfte. Viele sehr schöne Erinnerungen an meine Noviziatszeit in Pinerolo wurden wach, dieses eine Jahr in Italien wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben.
Don Carlo Maria brachte für jeden von uns ein kleines Büchlein (von ihm verfasst) als Gastgeschenk mit. Es trägt den Titel "il sogno dei dieci diamanti" - "der Traum von den zehn Diamanten". Es handelt vom Traum Don Boscos, der in der salesianischen Welt große Berühmtheit erlangt hat (diesen Traum Nachlesen in italienischer Sprache).
Morgen ist Heiliger Abend. Ich wünsche Dir, lieber Weblog-Leser, ein gesegnetes Weihnachtsfest und möchte - als kleines Präsent für Dich - Dir diese kurze Geschichte aus dem Büchlein widmen, die ich versucht habe zu übersetzen:
Ein Professor beendete gerade seine Stunde und schloss ab mit den üblichen Worten: "Gibt es noch Fragen?". Ein Student meldete sich: "Herr Professor, was macht das Leben aus? Was ist der Sinn des Lebens?". Einige der Anwesenden, die sich gerade zum Hinausgehen fertigmachten, begannen zu lachen. Der Professor warf dem fragenden Studenten einen langen Blick zu. Er wollte sehen, ob die Frage ernst gemeint war. Das war der Fall und er sagte deshalb: "Ich will Dir Deine Frage beantworten". Er zog eine Geldbörse aus seiner Hosentasche, öffnete sie und nahm ein kleines Stück eines Spiegels heraus. Dann sagte er: "Es war gerade Krieg, als ich klein war. Eines Tages sah ich auf der Straße einen Spiegel liegen, der in viele Stücke zerbrochen war. Das größte Stück, das ich finden konnte, nahm ich mit. Hier ist es. Ich begann damit zu spielen und ließ mich davon verzaubern, denn es konnte das Licht der Sonne in die finstersten Winkel bringen, wo die Sonne niemals scheint: in tiefe Hohlräume, in Felsspalten, ja sogar in fensterlose Besenkammern ... Das kleine Spiegelchen habe ich heute noch. Ich wurde älter und verstand auf einmal, dass das damals nicht nur das Spiel eines Kindes war, nein, sondern vielmehr: es ist ein Gleichnis dafür, welche Chancen das Leben für mich bereithält. Auch ich bin so ein kleines Stück Spiegel, der nicht weiß, wie der Spiegel in seiner Gesamtheit aussieht. Aber mit dem, was ich bin, kann ich Licht weiterschicken, Licht der Sonne, die Jesus ist, Licht bringen in die finstersten Ecken der Herzen anderer Menschen, so lange, bis sich in ihnen etwas verwandelt. Darin sehe ich für mich das Wesentliche im Leben".